Projektionen

Freunden Sie sich mit dem Gedanken an, dass es die sogenannte Wirklichkeit nicht gibt, oder dass wir Sie in den meisten Bereichen unseres Lebens zumindest nicht wahrnehmen können.

Wir betrachten die Welt immer durch die Filter unserer eigenen Erfahrungen und Ängste. Das was wir subjektiv erleben, halten wir dann für wahr.
Wir nehmen es für wahr, denn das ist die Bedeutung des Wortes "Wahrnehmung"
Das ist unsere ganz persönliche Wirklichkeit.
Mit einer allgemeingültigen Wirklichkeit hat unsere Sichtweise nichts zu tun. Was wir sehen, ist immer nur ein Bild der Welt, das von dem geprägt ist, was wir in uns tragen. Wenn wir in die Welt schauen, sehen wir also wir also nicht die Welt, sondern in grossen Teilen nur uns selbst.
Das, was wir in uns tragen, projizieren wir durch unsere Bewertungen, Erwartungen, Ängste und Einstellungen nach aussen.

Jeder sieht nur das, was er in sich hat oder in sich bekämpft, in der Aussenwelt gespiegelt.

Bei Künstlern redet man davon, dass sie ihre Themen in ihren Kunstwerken aufarbeiten.
Wir machen nichts anderes, wenn wir in die Welt schauen.
Wir malen praktisch mit dem Pinsel unserer eigenen Geschichte unser Bild der Welt. Das, was wir durch unsere Augen sehen, ist unser ganz persönliches Gemälde des Lebens
und es ist viel mehr geprägt von dem, was in uns ist, als von der Wirklichkeit.

Wenn Sie bereit sind zu verstehen, dass sich jeder von uns seine eigene kleine Wirklichkeit erzeugt, werden Sie es deutlich einfacher haben, Ihr Bild von der Welt zu erweitern.
Das ist die grundlegendste Voraussetzung, sonst habe ich ja gar keinen Grund dazu, meine Wirklichkeit zu erweitern.

Nur wenn ich davon ausgehe, dass es viele verschiedene Sichtweisen und Wahrheiten gibt, die alle in sich richtig sind, nur dann kann ich mich auf den Weg machen und mein Bild der Welt grösser und vollständiger werden lassen.

Und je weiter und umfassender mein Bild der Welt wird, je mehr Wahrheiten ich stehen lassen kann und je mehr ich erkenne, dass es kein "Entweder oder" gibt, sondern nur ein
grosses "Sowohl als auch", desto weiter wird mein Blick und desto mehr Lösungen für meine Probleme kann ich erkennen.

Wenn Sie also das nächste Mal fest von etwas überzeugt sind oder wenn Sie vielleicht sogar mit jemanden um einen Standpunkt streiten, dann könnte es Ihnen helfen, wenn Sie sich einfach klarmachen, dass Ihre Sichtweise nur Ihre ganz persönliche Wirklichkeit ist, die wenig mit der Welt und viel mit Ihrem Innersten zu tun hat und allen anderen
Menschen geht es genauso.

Die Menschen lernen immer Elemente von dem, was der Außen-Welt zugeordnet war, als Leistungen Ihres Geistes, Bewußtseins, zu verstehen, d.h. nach innen zu verlagern.

Das Innere wird damit "erweitert" . Es bilden sich neue "Vorlagen" für das Erkennen der Welt "außen". Damit ändert sich die Wahrnehmung und die Menschen leben in einer "neuen Welt"

Beispiele für solche Entwicklungen:

Vor mehr als zweitausend Jahren wurden Teile des "inneren Dialogs" als Stimmen von Göttern "außen" wahr-genommen (die These von Julian Jaynes in: Der Ursprung des Bewußtseins),
- - eine Wahrnehmungs-Form, die heute z.B. Schizophrenen zugeschrieben wird.

Jaynes verweist dabei auf die "Ilias", die Sage von Troja.
Hier gibt es keine Begriffe, die auf "innere" Bewußtseins-Zustände verweisen.
Die Menschen handeln immer und ausschließlich auf Befehle der Götter (Die Götter als Halluzinationen und Projektionen).

Einige Jahrhunderte später finden sich in der Literatur Bewußtseins-Begriffe,
wie Nous, z.B. in der "Odyssee". Alle diese Begriffe sind visueller Art: es erfolgt ein Übergang von einem Ge-Horchen-Raum zu einem visuellen Selbst-Raum.

Odysseus z.B. ist ein sich selbst bewußter Held.
Er reflektiert über die Götter und versucht sie, auszutricksen.

Die nächste Phase ist das spätantike Christentum.
Augustinus ist der erste Philosoph, der die Begiffe "innen" und "außen" explizit verwendet.

Das Neue am Christentum war eine Vertiefung der "Innen-Welt" und eine stärkere (und hierachischere) Ordnung der "Außen-Welt".

Das Denken des frühen und hohen Mittelalters.
"Gefühle" werden hier als Außen-Phänomene begriffen, z.b. die Theorie der Besessenheit:
eine äußereEnergie setzt sich im Körper eines Menschen auch gegen seinen Willen "hinein". (Der Körper ist ein nach außen offenes System.)

In den folgenden Jahrhunderten lernen die Menschen das arabische Zahlenkonzept (mit der Null), und erfinden die durch die Räderuhr gemessene Zeit, den abstrakte Raum und das abstrakte Geld.

Gleichzeitig siedeln sich die äußeren Gefühle im Inneren an. Sie gelten seither als innere (psychische) Leistungen eines Individuums.

Begleitend dazu erfolgt vom 14. bis 17. Jahrhundert ein kollektives Training in der Kontrolle der Mimik und der Gestik sowie des Sehens:
eine neue Form von abstraktem, fokussierten Sehen entwickelt sich.
Jetzt kommen die "Ideen" nach innen: sie gelten fortan als "Denkprodukte".

Dann die wisenschaftliche Revolution mit dem Zeit- und Raum-Konzept von Newton,
welches dann (fast) alle lernen in ihrem Alltag als wahr anzu-nehmen.

Im 20. Jahrhundert die radikale Zerstörung des mechanistischen Welt-Bildes
durch die Wissenschaften selbst (ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der großen Mythen), - überall tun sich die Abgründe von Paradoxien auf.

Wiederum ensteht ein neuer Innen-Raum:
man erkennt die Abhängigkeit von Wahrmnehmungs-Vorgängen durch Überzeugungen
selbst (z.B, das Belief-Konzept im NLP).

Mit NLP kann man die Wechselwirkung von Belief und Wahrnehmung praktisch erfahrbar machen.
Als neue koordinierende Einheit taucht hier der "Beobachter" auf, ein an sich altes Konzept der Sufi-Lehre, - der Beobachter ist eine neutrale, unparteiische Instanz.

Warum wir die Lösung oft nicht sehen, auch wenn sie direkt vor unserer Nase liegt
Unsere Wahrnehmungs-Filter verhindern oft, dass wir die Lösungen für viele unserer Probleme sehen können. Deswegen macht es Sinn, unser Bild von der Welt Schritt für Schritt zu erweitern.

Wir alle schaffen uns im Laufe unserer Entwicklung ein ganz bestimmtes Bild von der Welt und entwickeln unsere eigenen Wahrheiten und Überzeugungen - also ein sogenanntes persönliches Weltbild. Alle unsere Gedanken und Handlungen sind von diesem Weltbild geprägt und weil wir es für wahr und richtig halten, stellen wir es auch nicht weiter in Frage.

Eine der Grundbestrebungen unseres Wahrnehmungs-Systems ist, dass das, was wir für wahr halten, auch wahr bleibt. Wie tun wir das? Indem wir die Wahrnehmungen gezielt ausblenden, die unser persönliches Bild der Welt ins Wanken bringen könnten. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, den man in der Kognitionspsychologie selektive Wahrnehmung nennt.

Auf dem Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben kann uns unsere selektive Wahrnehmung aber oftmals ziemlich im Weg stehen. Wir blenden nämlich so auch automatisch viele Möglichkeiten aus, mit denen es uns wesentlich besser gehen könnte. Die Lösungen für viele unserer Probleme liegen so oft direkt vor unserer Nase, nur wir können sie nicht sehen, weil diese Lösungen nicht in unser Weltbild passen.

Es macht also Sinn, in einigen Bereichen unsere Sichtweise von der Welt zu erweitern, so dass wir noch mehr Möglichkeiten bekommen, gut für uns zu sorgen.





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