DEIN KIND
Entspanne Dich, suche einen Ort, an dem Du nicht gestört werden kannst.
Nun lasse die Jahre von Dir fallen wie die Blätter eine Blüte verlassen,
wenn es Zeit ist, sich zur Frucht zu wandeln
Betrachte den zarten Wirbel der Tage, die gewesen.
Wie eine Spirale drehen sich die fallenden Blätter um einen gemeinsamen Mittelpunkt.
... und Du fühlst Wärme aus Deiner Körpermitte in der gleichen
Bewegung in einer Spirale von innen nach außen fließen.

Und während Du dich dieser Veränderung hingibst fühlst Du, wie Du zurückgleitest in eine Zeit, an die Du unbestimmte, vage Erinnerungen hast.
Während dieses Vorganges hörst Du vielleicht Stimmen oder Gesang
vielleicht fühlst Du unbestimmte Sehnsucht wie einen Durst
oder vielleicht siehst Du Muster oder Bilder vor Deinem inneren Auge vorbeiziehen.

Und aus diesen unbestimmten Mustern treten Wahrnehmungen und Gedanken hervor, die Bezug zu Deiner jetzigen Situation, zu den Dir gestellten Aufgaben haben und geben Dir Geleit.

Nimm Dir Zeit, wahrzunehmen!

Die Wahrnehmungen werden immer klarer und bestimmter.
Du bist an einem Ort, der vertraut und lange schon vergessen.
Als Kind, als kleines Kind bist Du hier gewesen, wenn Du spielen gegangen bist.
Da ist auch schon Dein Lieblingsplatz, klar und deutlich wahrzunehmen.
Die Sonne scheint warm auf Deine Schultern und Du hörst Vogelrufe!
Ein Geruch nach feuchter Erde und nach Frühlingsblumen durchzieht die Luft.
-Ein Geruch, den Du in dieser Intensität seit Deiner Kindheit nicht mehr gerochen hast.
Da sind auch Kinder, die selbstvergessen miteinander spielen.
Sie sehen Dich noch nicht, - und Du bleibst stehen und siehst ihnen zu.
Einige Zeit hast Du ihnen schon zugesehen als Du erkennst, daß eines der Kinder Deine besondere Aufmerksamkeit erregt.
Und als Du das bemerkst erkennst Du in plötzlichem Erstaunen, daß Du das bist. Du selbst in einem Alter, als diese Welt noch neu und unbekannt war.
Und Du betrachtest Dich!
Du hörst Deine Stimme, wenn du mit anderen Kindern spricht
Die Tonlage wechselt durch die Stimmungen.
Und so wechselt auch das kleine Gesicht seinen Ausdruck.
Deine Augen umfangen das Bild und halten es fest, um es nie wieder zu vergessen.
In dem Herzen fühlst Du eine Ahnung, wie es gewesen ist, Kind zu sein.
Und Du bleibst in diesem Gefühl für einen Moment, nimmst Dir Zeit, um Dein Kind in Dir zu fühlen.
Und nun, fast ohne es zu wollen, bewegst Du Dich auf das Kind zu und sprichst es an.
Du siehst, wie es den Kopf hebt und für einen Moment treffen sich Eure Augen.
Und Du fühlst Erkennen wie einen leichten elektrisierenden Schlag zwischen Euch.
Dein Kind erkennt Dich und akzeptiert Dich, ohne zu fragen, wie das nun die Art von Kindern so ist.
Und es beendet so selbstverständlich sein Spiel, als hätte es nur darauf gewartet, hier von Dir abgeholt zu werden.

Nun suchst Du Dir einen Ort mit Deinem Kind, mit dem kleinen ........ oder wie auch immer sein Kindername für ihn gewesen sein mag.
Auf dem Weg hierhin hat er Deine Hand gehalten und Dir erzählt von seinen Sorgen und seinen Ängsten, von all den Wundern seiner kleinen Welt.
Und nun, wo Ihr beide Euren Platz gefunden habt., nimmst Du Dein Kind und hebst es hoch, setzt den Kleinen auf einen Tisch oder eine andere Unterlage, bis er in gleicher Höhe in Deine Augen sehen kann.
Und als sich Eure beiden Augen treffen, beginnst Du zu sprechen:
Du erzählst, wie es Dir in Deinem Leben ergangen ist, und verheimlichst nichts.
Alle Fehler und alle Deine Geheimnisse Deine großen Welt erzählst Du Ihm.
In seinen Augen ist nichts als Verständnis und Aufmerksamkeit!
Ohne sich zu bewegen hört er Dir zu.
Nur seine Augen ruhen unverwandt in Deinen.

Als Du fertig bist, schließt der kleine Bub kurz seine Augen.
Als er sie wieder öffnet, kannst Du bis in die Tiefe Deiner eigenen kindlichen Seele blicken.

Und Du findest darin nur Liebe und Akzeptanz ohne Grenzen, ohne Urteil in einem Umfang, der Dich beschämt.

Dann, Du weißt eigentlich gar nicht genau ob Du sie gehört oder gedacht hast, eine Bitte:

HAB MICH LIEB

Und da fühlst Du, wie in Dir eine Wand zerbricht, die Du ein langes Leben lang aufgebaut hast.
Dahinter leuchtet ein Licht in einer Intensität, die Du vergessen hast.
Und Du läßt es geschehen:

Du beginnst ganz von selbst zu erzählen.
Du erzählst von Deiner Jugend, Deinen Erfolgen und Träumen.
Ganz von selbst findest Du die richtigen Worte.
Es fließt wie von selbst aus Dir heraus, als Du Dich darstellst in allem, was Du geworden bist und was Du erreicht hast.
Und das Kind hört Dir aufmerksam zu, ohne den Blick von Dir zu wenden.
Fast scheint es, als würde es Deine Worte in sich hineintrinken, ohne auch nur ein einziges zu verlieren.

Und Du erzählst......

Endlich hast Du Dir alles von der Seele gesprochen, alles notwendige ist in der richtigen Form gesagt und Du empfindest den Frieden einer Pflanze, die sich in dem warmen Licht badet, das zwischen Euch beiden fließt.

Bewahre diesen Augenblick.......

Und aus der Tiefe Deiner Seele steigt ein Wunsch auf und ganz von selbst fühlst Du, daß auch Du etwas zu schenken hast.
Ja, Du weißt plötzlich, daß das sogar der Grund ist, aus dem Du gekommen bist.

Und nun beginnen Deine Augen in jenem Licht zu leuchten, das Kennzeichen Eurer Nähe geworden ist.

Und Du antwortest Deinem Kind, und als Du sprichst ist es mehr als ein Gespräch, fast schon ein Schwur....

Du sagst zu Deinem Kind:

Ich liebe Dich

Ich sorge für Dich

Ich lasse Dich nie wieder im Stich!

Und indem Du diese Worte aussprichst, nimmst Du das Kind in die Arme und fühlst den schnellen Schlag des kleinen Herzens nahe dem deinen.

Fühle diese Nähe und erinnere Dich an dieses Licht.....

Nachdem Du Dir genug Zeit gelassen hast, um alles in Dich einzulassen, was Dir momentan möglich ist, nimmst Du nun Abschied von Deinem Kind.

Wieder siehst Du in die offenen, klaren Kinderaugen und sprichst die nötigen Worte.
Vielleicht schweigst Du auch einfach, weil es für Euch beide in Eurem Verstehen nichts mehr zu sagen gibt.

Und nun nimmst Du Dich bei der kleinen Hand und Ihr geht schweigend zurück zu den Kindern.

Ohne Euch nocheinmal umzudrehen, geht jeder von Euch zurück in seine Welt.
Ihr fühlt einander in Euren Herzen und wißt, daß ihr einander nie wieder verlieren werdet.

Nimm Dir nun Zeit, die Integration geschehen zu lassen, in Liebe und Sorgfalt, als würdest Du ein Kind in Deiner Obhut haben, ein Kind, das Du eigentlich nicht mehr bist???

Oder ......

Nimm Dir für Dich, was Du brauchst.
Zeit, Ruhe, Nähe zu einem anderen Menschen..........




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Der alte Mann und der Baum